Das Blog KristallWordpress.com brachte zu Ostern eine gute Beschreibung des Turiner Grabtuchs. Dafür war die Folgerung, die daraus gezogen wurde, nicht haltbar: Tote bluten nicht, also sei der Mann unter dem Tuch am Leben- und somit sei die Auferstehung Christi bloss eine Mythe - obwohl das Grabtuch echt sei!

Weiter heisst es: “Jesus der Nazarener ist nicht am Kreuz gestorben! Er ist im wahrsten Sinne des Wortes „wiederauferstanden“. Nikodemus und Joseph, seine Essener-Freunde, haben ihn verarztet und versteckt. Sein Wundpflaster, das Turiner Grabtuch, blieb uns als Zeuge dieser wahren Geschichte Jesu erhalten.
Deutschtum heißt Gottmenschentum und gilt für alle Völker alle Zeit.  So sei es! Nicht irgendein Messias, sondern nur wir selbst sind unsere Herren! Jesus, der dies schon vor zweitausend Jahren erkannte, versuchte die Menschen zu befreien. Der Christus unterdrückt sie.”

Das ist ja eine - sogar unhaltbare - unbelegte Behauptung. Ich habe den Kern des Nachfolgenden als Kommentar dem Blog Kristall zugeschickt - aber es wurde von der Zensur gestrichen.

Da nun das Blog “Die Reichsbewegung” auf meinen Artikel über “Die Päpste und Der Weltfürst” hinweist und in dem Zusammenhang schreibt: “Darin wird zwar nicht darauf eingegangen, daß dieses Tuch ein Beleg dafür ist, daß Jesus die Kreuzigung überlebt hat,” halte ich es für erforderlich nochmals zu betonen, dass das Turiner Grabtuch meines Erachtens ein Beleg dafür ist, dass der Mann, der auf dem Tuch zu sehen ist,  tot  - und lebendig ist.

Lassen Sie mich das genauer eklären

1. Osterschrift: Der Mann auf dem Tuch sei nicht tot.
Einwand: Robert Bucklin 1997: An Autopsy on the Man of the Shroud
“Seit mehr als 50 Jahren bin ich als Gerichtsmediziner  an der Untersuchung von Todesfällen, die unter die Gerichtsbarkeit eines Untersuchungsrichters (Medical Examiner) fallen, tätig. Während dieser Zeit habe ich persönlich mehr als 25.000 Leichen durch die Autopsie untersucht, um die Ursache und Art des Todes zu bestimmen.
Der Grabtuch-Körper scheint sich in einem Zustand der Totenstarre, die durch eine allgemeine Steifheit sowie spezifische Veränderungen im Aussehen der unteren Extremitäten von hinten belegt ist. Der Abdruck der rechten Wade ist viel deutlicher als der der linken, was darauf hinweist, dass zum Zeitpunkt des Todes das linke Bein in der Weise war, dass die Sohle des linken Fußes auf der oberen Fläche des rechten Fußes mit resultierender geringer Beugung des linken Knies stützt. Diese Position wurde behalten, nachdem sich die Totenstarre entwickelt hatte. “ Also: der Mann hat deutliche Totenstarre.

Ich möchte als Arzt hinzufügen: Ein Mann mit den gesehenen Wunden, besonders mit dem Stich zwischen der rechten 5. und 6. Rippe, mit dem Blut darum schon in Rote Blutkörperchen und Serum getrennt, kann gar nicht überleben - zumal er auf dem Leichentuch auch ganz deutliches Lungenödem hat - und somit Herzversagen! Er kann gar nicht gesund und ohne Wundfieber 2 Tage später ganz unberührt vor seinen Jüngern erscheinen und diese ihre Finger in die Wunden stecken lassen. Die Jünger waren von diesem Erlebnis so überzeugt, dass sie sich schlagartig von Feiglingen, die Christus verleugneten, als er sie brauchte, in wahrhaftige Helden veränderten, die sich bestialischen Todesformen unterziehen liessen.

2. Osterschrift: Es gab kein Kinntuch wie sonst bei den Juden üblich.
Einwand: Doch, es gab ein Kinntuch, was auch im Johannes-Evangelium 20:7 geschrieben wird, und was aus dem foto-leeren schmalen Streifen vor beiden Ohren auf dem Grabtuch hervorgeht. Wahrscheinlich ist der Schweisstuch von Oviedo und hier dafür verwendet worden

3. Osterschrift: Tote Bluten nicht
Einwand: Journal of Molecular Medicine Volume 49, Number 11, 648-651, DOI: 10.1007/BF01492043 „Bei 162 Fällen eines unausgewählten Obduktionsgutes wurde die fibrinolytische Aktivität mit der Euglobulinlysezeitmethode bestimmt . Die Untersuchungen führten zu folgenden Ergebnissen: 1. Eine postmortale Fibrinolyseaktivierung war bei bei 86 Leichenplasmen (53%) festzustellen. (Das bedeutet, dass das Blut wieder klebrig wird).

4. Osterschrift: Aber spätestens nach Vignon ist klar, daß die Geschichte, das Bild sei durch eine göttlich-überirdische Strahlung bei der Auferstehung Jesu entstanden, ins große Reich der Fantasie gehört.
Einwand: Heute sind die Wissenschaftler der Shroud Study Group überzeugt, dass das negative Bild durch Lichtbestrahlung entstanden ist – eine Technik, die niemand 1850 Jahre, bevor die Fototechnik erfunden wurde, beherrschte . Auch persönliche Mittelung von Dr. Niels Svensson von der Study Group.
Die Behauptungen, dass Aloe und Myrrha das Bild hervorgerufen haben, ist schon längst als unhaltbar belegt. So was würde ebenso wie Farbe in das Gewebe eindringen und keine Spuren davon waren auf dem Tuch zu finden. Das 3- dimensionale Negativfoto des Grabtuchs ist nur an den oberflächlichsten Fasern der oberflächlichste Fibern gebildet - und zwischen den Negativbildern auf der Aussen- und  Innenseite des Grabtuchs gibt es keinerlei Bilderzeugung. Keiner hat ein ähnliches Bild mit Mittelalter- oder Altertumsmethoden nachmachen können

5. Osterschrift: “Der biblische Christus hat mit dem tatsächlichen Christus wenig gemeinsam - was auf Paulus zurückzuführen ist, der die Evangelien gefälscht hat”: ” Der paulinische Erlöserglaube ist die eine und einzige Existenzberechtigung der evangelischen und katholischen Kirche und all ihrer Auswüchse. ”
Einwand: Die STURP Gruppe fand 1978 genaueste Übereinstimmung zwischen den Funden am Grabtuch und den Passionsbeschreibungen der Evangelien - was sie als Beleg für die Akribie der Evangelien nahmen.

Man bedenke hier, dass die Apostelbriefe und die Evangelien wahrscheinlich wenig mit Paulus zu tun hatten. In der Tat bestand eine schwere Spaltung zwischen den Jüngern und dem bekehrten Paulus (2. Peterbrief 3:15-16, Galater 2:11-14, wo Paulus Peter einen Heiden nennt).  Ausgerechnet Markus war nicht auf der Seite von Paulus ( Apostelgeschichte 15:39-40). In Rom war Peter - nicht Paulus der Führer der Christen.

Warum meine ich, dass der Mann auch am Leben ist: Kein Leichnam emittiert energie - was dieser Leichnam also nach wissenschaftlicher Sicht auf unerklärliche Weise getan habe.

Es ist gut, dass dieses Grabtuch die Menschen zum denken bringt. Aber es gibt viel mehr Details zu bedenken als im Reichs-Propagandaschrift des Kristall Blogs zum Ausdruck gebracht.
Eines muss ich leider dem “Kristall” beipflichten - die Kirchen sind in Bezug auf die Lehre Christi eben so sehr auf dem Holzweg wie das Kristall Blog.